Grulich
scheint, nach allem was wir wissen, die Wiege der Katzer Familien
zu sein. Der tschechische Name "Kraliky" bezeichnet einen
Ort der "Ketzer". Richard Neugebauer teilt uns mit, dass
in der in tschechischer Sprache erschienenen "Geschichte des
Grulicher Ländchens" Katzer Familien dort bereits im Jahre
1654 erwähnt sind. Damals gab es etwa 8 Katzer-Familien nur
um Grulich herum, davon 4 im Dorf Rotenbach (heute Cerveny Potok)
Der Bezug zum Namen
Katzer ist dabei naheliegend. Möglicherweise wurde er von deutschsprachigen "böhmischen
Brüdern" besiedelt, von denen die "Kralitzer Bibel" große
Bedeutung im tschechischen Sprachraum erlangte. Die östlichste
Stadt in Böhmen zwischen Adler und Altvatergebirge geht auf eine
Bergbausiedlung zurück. Eigentümer waren die Herren von Pottenstein,
Waldstein, Hohenlohe, Pappenheim und Althan. Die Pfarrkirche St.
Michael, ursprünglich ein evangelisches Bethaus, wurde nach Bränden
zweimal wiederaufgebaut. Der Marktplatz wird geprägt von alten
Laubenhäusern. Seit 1873 beherbergt Grulich eine Fachschule für
Holzbearbeitung. Aus ihr gingen viele Bildhauer und Krippenschnitzer
hervor. Die Krippenkunst der Grulicher ist sehr schön in der Geschichte "Der
Gloria Engel" von Otfried Preußler beschrieben. Sie ist erschienen
in: "Das Otfried Preußler Lesebuch", dtv Taschenbuchverlag,
München (ISBN 3-423-10959-9). Das Buch ist derzeit leider vergriffen
und nur antiquarisch erhältlich.
Auf dem Muttergottesberg (769 m) steht
die Wallfahrtskirche mit sieben Altären und großer Treppe mit sieben mal sieben Stufen.
Der Königgrätzer Bischof Tobias Becker förderte die Stiftung eines
Servitenklosters (1710), das 1883 den Redemptoristen übergeben wurden,
wo diese bis 1950 wirkten. Dann wurden sie mit vielen anderen Priestern
und Ordensangehörigen in Grulich bei Zwangsarbeit kaserniert. Eine
Wallfahrt nach Grulich ist seit 1968 wieder möglich.
Wirtschaft: Leinen-, Seiden-
und Baumwollwebereien, Flachsbau und -handel, Hausindustrie, Holzschnitzerei;
es entstanden
viele Krippenfiguren und viele geschnitzte Altäre in Nordmähren und
Ostböhmen.
Persönlichkeiten: Tobias
Joh. Becker (16491710), Bischof von Königgrätz; Joseph Leonhard Knoll (1775 -1841,
geb. im nahen Nieder Heidisch), Historiker; Wilhelm Öhl (1860-1936),
Schriftsteller, Mundartdichter des Adlergebirges; Guido Franz Rotter
(1860 -1940), Erschließer des Riesengebirges, gründete 1884 die "Deutschen
Studenten- und Schülerherbergen", die ersten der Welt .Orgelbauer František Katzer
